Ein netter, lustiger und immerzu freundlicher Familienhund: der Altdeutsche Schäferhund

Diesbezüglich möchte ich gerne einmal meine Gedanken loswerden

 

 

 

Es kommt auch vor, dass Welpeninteressenten zu mir gelangen, welche einen Altdeutschen Schäferhund erwerben wollen, da diese Rasse -Zitat- «doch so nett und plüschig» sei. In solchen Situationen kann ich dann immer ein bisschen schmunzeln und erkundige mich bei besagten Leuten, woher sie diese Aussagen herhaben. Die Antwort lautet in der Regel stets: «aus dem Internet und von verschiedenen weiteren Züchtern». Auf meine Frage, weshalb der Altdeutsche Schäferhund «netter» sein soll als der Deutsche Schäferhund, lautet die Antwort: «weil es Familienhunde sind».

 

Ist es mit diesem Irrglauben, dass unsere Welpeninteressenten also dazu verleitet werden, einen Altdeutschen Schäferhund zu kaufen?

 

Ich habe über die Jahre etliche Homepages besucht und konnte somit die Position dieser Welpeninteressenten nachvollziehen. Oftmals wird beim Beschrieb der Altdeutschen Schäferhunden folgendes vermittelt:

 

«Super netter Hund», dies unabhängig vom Geschlecht des Tieres, idealer Familienhund etc.

 

Auch werden selten die kompletten Namen der Zuchthunde angegeben, diese ausfindig zu machen gestaltet sich schwer. Die Gesundheitsergebnisse werden oft nur auf Nachfrage (wenn überhaupt) weitergegeben, doch den Wesenszug «nett» haben sie alle.

 

Dabei frage ich mich oft, weshalb darf man solche, offensichtlich wichtige und erwähnenswerte, Informationen nicht öffentlich stellen? Welche Gründe hindern es in solchen Fällen, die Eigenschaften jedes einzelnen Hundes zu erwähnen? Es muss in erster Linie klar werden, dass es sich hierbei um Lebewesen mit eigenem Charakter handelt und es keine Maschinen sind, welche industriell auf dem Fliessband produziert werden. Wie bei uns Menschen hat auch in diesem Fall jeder Hund seine Stärken und Schwächen und dies gehört nun einmal dazu. Diese Offenheit und Transparenz zeigt dem allfälligen Käufer, ob der entsprechende Züchter seine Hunde kennt und vorallem ehrlich ist. Dies sind schlussendlich genau die Eigenschaften, nach denen man den passenden Partner aussucht. Dies kann sich dann jedoch als schwierig erweisen, wenn jeder Deckrüde einfach nur als «nett» beschrieben wird 😊.

 

Da unter dem Begriff Altdeutscher Schäferhund die Zucht offensteht und jeder Verein seine eigenen Richtlinien hat, erleichtert dies das Züchten dieser Hunde. Entsprechend wendet man sich an den Verein, welcher seinem eigenen Gusto am besten passt. Was doch auch sehr vorteilhaft sein kann, vorausgesetzt man ordentliche und ehrliche Zuchtziele anstreben möchte, kann jedoch auch andere dazu verleiten, einfach mal zu vermehren.  Als Züchter hat man manchmal Würfe, welche sehr zufriedenstellend sind, doch es gibt auch solche, wo Mängel, seien diese gesundheitlich und/oder wesenstechnisch, vorkommen. Doch sind es genau diese Würfe, welche dann nicht anonym untergehen sollten, sondern dazu leiten, aus den Erfahrungen Lehren zu ziehen. In der Regel heisst dies auch, dass ohne Ahnenforschung und Wissen über die Genetik das Führen und Betreiben einer seriösen Zucht schwer ist. Denn ausschliesslich mit den Komponenten «nett und plüschig» sollte unserer Meinung nach kein Gebrauchshund verkauft werden.

 

Wenn Welpeninteressenten beim Züchter vorbeikommen, um die eigenen Hunde zu besuchen, sollte besagter Züchter so fair sein können und nötigenfalls zugeben, dass jeder hier anwesende Hund auch mal jung war und womöglich Unsinn angestellt hat. Einige waren vielleicht sehr leicht zu erziehen und bei anderen hatte man schon mal graue Haare und war der Verzweiflung nahe. Ja auch ich als Züchterin hatte Hunde, welche ihre Grenzen mehr testeten als andere. Wenn das bei einigen nicht so ist, dann muss der Glückstern wohl stets hoch gewesen sein und sie hatten nur Plüschtiere zuhause 😉.

 

Hier kommt es definitiv nicht auf die Felllänge an, sondern auf die Linien, aus welchen der Hund stammt. Womöglich wird sich da der eine oder andere «Puschelzüchter» ärgern, denn dies ist keine ideale Verkaufsmasche. Auch die Altdeutschen Schäferhunde stammen von Linien ab wie der Deutsche Schäferhund und fielen nicht eines Tages vom Himmel 😉. Wer Ahnentafeln lesen kann und für wichtig empfindet wird feststellen, dass dort meistens Hochzucht-, West- oder Ostlinien stehen, ausser bei den Farbzüchtern. Auch hier gilt: Wer nichts zu verbergen hat, wird die Ahnen nicht verschweigen. Jeder Welpe wird die Eigenschaften seiner Linien (d.h der Ahnen) in sich tragen und gewisse Charakterzüge mitbringen. Es sind diese Unterschiede, meiner Meinung nach, die den allfälligen Welpenkäufern erklärt werden sollten. Selbstredend ist es sehr wichtig, dass nach den Linien auch eine gute Sozialisierung und ein faires Erlernen von Neuem dem Welpen bereits früh ermöglicht wird. Diese Gegebenheit sollte jedoch heutzutage jedem Hundeliebhaber bekannt sein.

 

Die Tatsache, welche mir heute jedoch sauer aufstösst, ist, dass viele Züchter nur darauf bestrebt sind, schöne Welpen heranzuzüchten, die mit 9 Wochen ausziehen und dann im Endeffekt den neuen Besitzern zur Last werden können. Dabei wurde doch dem Käufer «ein schöner, netter und lustiger Familienpuschel» verkauft, ohne dass mehr Informationen diesbezüglich abgegeben wurden. Am Anfang ist alles noch in bester Ordnung, die Babyzähnchen schmerzen zwar ein wenig beim Raufen aber so ernst, dass man Angst kriegen könnte, passiert ja bei diesem süssen Welpenblick gar nichts. Doch dann kommt die Pubertät für den Welpen. Meiner Erfahrung nach war schon mancher Hundehalter mit einem Junghund der Verzweiflung nahe und kam stark an seine Grenzen.  Dies ist genau die Zeit, in der der Hund seine Grenzen testen möchte. Wenn dies ein kräftiger Jungrüde ist, kann dem einen oder anderen schon mal dabei mulmig werden. Und so wird aus dem süssen, netten Puschel plötzlich ein Puschelmonster mit grossen Zähnen. Wie weiter und was tun in einer solchen Situation? Hat man den Hund bei einem vertrauenswürdigen Züchter erworben, welcher bereits von Anfang an ehrlich war und Eigenschaften aufgezählt hat, kann man sich ruhigen Gewissens auch bei ihm melden und um Rat zu bitten. Hilfeleistung kann durch verschiedene Inputs kommen.

 

Mit diesen Gedanken möchte ich kurz zusammenfassen, dass, auch wenn die meisten Käufer mit dem Altdeutschen Schäferhund keinen aktiven Hundesport betreiben, es eine Gebrauchshunderasse bleibt, welche körperlich und geistig gefördert werden möchte. Dies kann sehr unterschiedlich gemacht werden, ob Plauschtrainings, Fahrradfahren, Fährten, Mantrailing, Suchspiele, Apportierspiele usw. Mit einer korrekten und dem Hund entsprechend gewählten Förderung kann der Altdeutsche Schäferhund auch zum besten Familienfreund werden, doch definitiv ist es kein Hund, der einfach nett und lustig geboren wird.

 

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